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Quo vadis Skisport - Die Zukunft steht auf der Kippe

Bildquelle: Skifahren-Panoramaaufnahme ©mma23

Skifahren ist für viele Menschen nicht nur Zeitvertreib, sondern ein beliebtes Hobby mit ausgeprägtem Fun-Faktor. Schnee ist gerade in den flacheren Regionen Deutschlands mittlerweile eine Seltenheit und sofern es dann einmal mit Frau Holles Gesinnung klappt, ist noch lange nicht gesagt, dass die Mengen reichen, um darauf fahren zu können. Die Berge, die für das Skifahren ebenfalls unabdingbar sind, hat schließlich auch nicht jeder. Wer jetzt aber denkt, dass in bergigen Regionen das Skifahren im Winter auch zukünftig gesichert ist, der irrt. Zahlreiche Faktoren machen die Gaudi im Winter immer unsicherer und drohen, einer ganzen Branche zuzusetzen.

Globale Erwärmung macht vielen Skigebieten zu schaffen

Bildquelle: Globe America Brasil © adri76 / Fotolia.com

Einer dieser erwähnten Faktoren ist die globale Erwärmung. Besonders unter dieser leiden müssen verständlicherweise Skigebiete, die nicht so hoch wie etwa die Zugspitze gelegen sind. Aber auch die mittleren Lagen sind nicht gänzlich vor der drohenden Gefahr sicher. Zum Thema Wertschöpfungsverlust wegen globaler Erwärmung gibt es mittlerweile ganze Studien. Eine solche aus der Schweiz hat errechnet, wie viel Verlust durch eine Temperaturerhöhung von nur zwei Grad in den dortigen Skigebieten entstünde und beziffert diesen Wert auf über eine Milliarde Euro pro Jahr. Die Erwärmung hat bis dato schon dazu geführt, dass in einigen Gebieten nur Wintersport auf der Piste unter Zuhilfenahme von Beschneiungsanlagen in Form von Schneekanonen betrieben werden kann. Die Krux an der Sache ist:
    1. Die Beschneiung wird extrem stark subventioniert
    2. Der Betrieb kostet sehr viel Energie
    3. Die Nutzung zerstört intakte Landschaften
    4. Der Wasserhaushalt wird durcheinander gebracht
Den vierten Punkt erklärt sehr gut der Spiegel – Stichwort „Austrocknung“. Was noch hinzukommt ist der visuelle Aspekt, der beim Urlaubmachen unbestritten eine gewisse Rolle spielt. Weiße Alpengletscher gehören zu einem Winterurlaub in einer Bergregion einfach dazu. Es liegt deshalb auf der Hand, dass ein vollständiges Abschmelzen vielen attraktiven Tourismuszielen den Reiz nehmen würde.

Wann gelten Skigebiete auf jeden Fall als schneesicher?

Ein weiteres wichtiges Urlaubsargument für die meisten Wintersportler ist das Attribut „schneesicher“. Doch was bedeutet Schneesicherheit eigentlich und wie wirkt es sich aus, wenn Gebiete nicht mehr als schneesicher eingestuft sind? Die Kriterien für eine solche Einstufung besagen, dass die nachfolgenden Punkte erfüllt sein sollten:
    - Schneehöhe von 30 Zentimetern
    - an mindestens 100 Tagen im Jahr
    - zwischen Mitte Dezember bis Mitte April
    - in mindestens sieben von zehn Jahren
Dabei ist es derzeit noch so, dass 90 Prozent der Skigebiete in den Alpen als schneesicher gelten und man sich hier als Tourist wenig Gedanken um attraktive Pistenverhältnisse machen braucht. Momentan liegt die untere Grenze für Schneesicherheit bei 1200 Metern Höhe. Gilt ein Gebiet hingegen nicht als schneesicher, verliert es während der Wintersaison massiv an Besucherzahlen. Weiterhin erschwerend kommt noch hinzu, dass die globale Erwärmung nicht in allen Regionen der Erde gleich stark zuschlägt, die Alpen aber besonders hart trifft. Im Verhältnis zum Rest der Welt war der Temperaturanstieg gemäß WWF nämlich zuletzt in dieser Region dreimal so groß. Damit dieser die Gletscher besonders im Sommer nicht allzu stark belastet, sind inzwischen schon einige Regionen dazu übergegangen, die prächtigen Eisriesen mit Kunststoffabdeckungen zu isolieren. Dies hat auch einen Sicherheitsaspekt, denn freiwerdende Gestein- und Geröllmassen könnten sich sonst bei Niederschlag lösen und ganze Ortschaften unter sich begraben.

Skisportpreise passen nicht zu Einkommen der Touristen

Bildquelle: Kassenhäuschen © Matthis Dierkes / Fotolia.com

Betrachtet man die monetäre Seite des Skisports, so lässt sich auch an dieser Stelle eine eher negative Entwicklung beobachten. Wer die vorgegebene Richtung in den letzten Jahren verfolgt hat, der wird zu dem Schluss kommen, dass sich Skifahren allmählich wieder zu dem Luxus entwickelt, der es früher einmal war. Tageskarten kosten nicht selten in populären Gebieten 50 Euro und mehr – pro Stück versteht sich. Wer mit einer Begleitperson oder als Familie mit Kind unterwegs ist, wird direkt über 100 Euro los. Noch nicht einbegriffen sind Kosten für die Skiausrüstung und Proviant. Was das Ganze für Angestellte und Arbeitskräfte so schwer macht, sind auch die nur, wenn überhaupt, langsam steigenden Gehälter. Die allgemeine Geldentwertung und regelmäßig steigende Lebenshaltungskosten in allen Bereichen, sowie steigende Preise für das Wohnen in populären Orten tun ihr Übriges dazu, dass die Kluft immer größer wird. Dabei ist es nicht einmal so, dass die Betreiber der Skigebiete es zu sehr auf das Geld abgesehen hätten, sondern oftmals Kosten für Modernisierungen des jeweiligen Gebiets wieder eingespielt werden sollen. Manche Areale verfügten bis vor kurzem noch über nicht mehr zeitgemäße Liftanlagen oder generell über eine schlechte Infrastruktur. Auch die vollständige Erschließung neuer Abschnitte kostet Geld, das auf die Skifahrer umgelegt wird.

Vorteile des Skisports wirken auf Körper und Geist

Doch auch wenn die zuvor genannten Punkte schon beachtlicher Natur ist, sollte man trotz allem nicht vergessen, dass Skifahren ein toller Sport ist, der Jung und Alt bis ins hohe Alter Spaß bereiten kann und Generationen vereint.
Bildquelle: Sonniger Wintertraum im Skigebiet – Jumbolotto

Das Wedeln im frisch gefallenen Schnee, der Anblick einer atemberaubenden Landschaft, die klare Luft und eine entspannte Atmosphäre laden zum Träumen ein. Neben dem Spaß an der Sache hat Skifahren unter anderem auch gute Auswirkungen auf Körper und Geist. Wer sich elegant auf den Brettern bewegen kann und nicht nur stocksteif dasteht, bewegt rhythmisch seinen ganzen Körper und belastet die Gelenke nicht so stark wie zum Beispiel beim Joggen. Anders als beim Laufen müssen die Knie keine wechselseitig auftretenden punktuellen Belastungen ertragen, sondern können beide synchron zueinander arbeiten. Überwindet man kleine Anstiege im V-Schritt wie dies Langläufer zu tun pflegen oder entscheidet sich gleich für das populäre Skitouren gehen, tut man obendrein etwas für seine Grundlagen- und Kraftausdauer. Außerdem gibt es folgende positive Auswirkungen:
    - Schulung der Koordination
    - Training von völlig anderen Muskelgruppen
    - Stärkung des Immunsystems
Dem Geist hingegen tut es gut, bei der anfallenden Bewegung den Stress des Alltags hinter sich zu lassen und an etwas anderes denken zu können. Ein sonniges Wochenende in den Bergen kann auch bei Depressionen wahre Wunder bewirken und gezielt Stress abbauen.

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass dem Skisport in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aller Voraussicht nach keine allzu leichte Zeit bevorstehen dürfte. Die globale Erwärmung macht leider vor keiner Erdregion wirklich Halt und zieht über kurz oder lang das Abschmelzen der Gletscher nach sich. Dadurch werden letztlich auch ehemals schneesichere Gebiete in ihrer Ausrichtung gefährdet, sodass die Betreiber mit Schneekanonen gegensteuern müssen. Ausgaben für Modernisierungen und Neuerschließungen werden zudem auf die ohnehin schon finanziell gebeutelten Touristen abgewälzt. Ein Weg, trotzdem in den Genuss der zahlreichen Vorteile des Skisports zu kommen, ist der Verzicht auf Annehmlichkeiten an anderer Stelle – man muss Prioritäten setzen. Dann steht der gesunden und erholsamen Freizeitbeschäftigung, die sich positiv auf Kondition und Wohlbefinden auswirkt, nichts mehr im Wege.